Wäre ich heute nicht aus dem Zug geschmissen worden, hätte ich etwas Schönes darüber geschrieben, dass der Online-Shop jetzt ebenfalls auf Hochglanz strahlt. Hätte von Ausführungsmerkmalen geschwärmt, denn alle neuen Produkte sind aufgenommen. Die Preise sind auch angepasst, bei vielen ging’s völlig entgegen aller Trends BERGAB. Freut euch mit mir, denn endlich hat Deutschland dasselbe Preisniveau bei den Markenprodukten wie im Ausland, dafür habe ich mehr als fünf Jahre gekämpft. Euer Augenmerk sei dabei auf die Rainbow-Elektromodelle von Simogas gerichtet, oder auf die Campingaz-Master-Plancha. Endlich habe ich auch das Einbaumodell von Eno im Angebot, wobei mir da noch ein paar Ausführungsmerkmale fehlen, folgt alsbald.

Wie gesagt, das ungleiche Preisniveau lag mir nätürlich am stärksten im Magen, wie soll man das rechtfertigen, das ist doch nicht fair. Dagegen hatte ich was und deswegen finde ich, gibt’s da viel Grund zum Jubeln und Feiern. Echte Freude, dass sich das Kämpfen lohnt.

Wäre da heute nicht dieser Schaffner gewesen. Ums nicht ganz ausufern zu lassen, hier nur anskizziert was geschah, doch erst das Augenmerk aufs Bild, denn ich kam in Basel an, ist allein der Schilder wegen mit Abstand mein Favorit:

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Komme mir da immer vor wie der Kosmopolit, schwinge den Trenchcoat und greife den schicken Samsonite mit Lederhandschuh. Brav schweizer Ticket zum Bahnhof gelöst, dort bis zum deutschen Basler Bahnhof gefahren, kam an auf Gleis 4 und rannte schnell zu Gleis 8, wo die Verbindung alsbald los sollte. Zum Automat auf Gleis 1 hätte es bei Koffer und mangelnder Fitness nicht gereicht, aber als Gläubige des Online-Geschäfts hole ich die Fahrkarte ganz modern übers Smartphone, geht ja heutzutage alles fix, denkt der Kosmopolit. Im Zug direkt auf http://www.db.de, ach so, brauche die App weil ohne Drucker, runterladen, aha, Appshop-Passwort, muss ich schnell prüfen (meine erste Appshop-Nutzung!), Zahlungsdetails bestätigt („Kostet die App was? Naja, egal.“),  Benutzername, also an den erinnere ich mich gerade noch so; Passwort, zwei-drei Versuche, ok war’s nicht, neues Passwort anfordern, Geburtsname von xxx, weiß ich auch, Link bestätigen, neues PW angelegt, soweit so gut, Zug rollt an, will einloggen, Passwort falsch. Vertippt? Nochmal gaaaaanz langsam, nix, Zugang gesperrt, zu viele Fehlversuche. Waren doch erst zwei!

Genau in dem Moment kommt der Schaffner „Fahrscheine bitte“. Ich fuchtle wild mit der App, er wartet genau 5 Sekunden, die nicht mal dazu reichten, anzudenken, wo ich stehen geblieben war. „Fahrscheine bitte“. Ja, mach ich doch!, aber nein „Fahrtantritt ohne gültigen Fahrschein, Ihren Ausweis bitte.“ WAS? Also argumentiere ich. Erst ruhig, will ihm die Uhrzeit zeigen, zu der die Passwortzurücksetzung erfolgte, eindeutig vor Fahrtantritt, nicht mal einen Blick warf er drauf: „Nicht mein Problem, Ausweis bitte“. Ich bin an sich kein unbequemer Fahrgast, also gebe ich ihm die Pappe, und während er mich ins System quetscht, steigt mir doch langsam der Puls. Es ist sehr wohl sein Problem, schließlich handle es sich um unbequeme technische Anforderungen seines Arbeitgebers, rebelliere ich. Nicht mal eine Antwort gibt mir der Kerl. Andere Fahrgäste könnten sicher bezeugen, dass ich seit ich hier bin an dem Ding rumdrücke; schaue extra niemanden an, will ja keinen in Verlegenheit bringen. Aber natürlich steht niemand zur Seite, hätte vermutlich eh nichts gebracht, außerdem sehe ich wahrscheinlich doch aus wie ein schwarzfahrender Teeny, von wegen Kosmopolit. Sage ersteres prompt, man müsse doch Verstand walten lassen bei der Arbeit. Aber nein, er straft mich weiter und ignoriert, also das macht mich dann schon sauer. Ob man ihm nicht beigebracht hätte, dass eine Frage eine Antwort verdiente. Und nur dass er’s wüsste, die Strafe könne man mir per Post schicken. Um die 60 Euro ging’s mir nicht, hier ging’s längst um was anderes: Ein giftiger Mann in Uniform, der Machtmissbrauch betreibt. Damit habe ich ein Riiiieeesen-Problem!

„Ihre Adresse bitte“. Nö, von mir gibt’s aus Prinzip jetzt nichts mehr. Er habe meinen Ausweis, da sei es nicht schwer, die Adresse zu erfahren. „Die Adresse!“ Äh nö, in dem Ton? Jetzt erst Recht nicht, an diesem Punkt könnte er mich knebeln und verhungern lassen, mich kriegt man da nicht mehr klein, hebe die Augenbrauen und frage: „Wie ist denn eigentlich IHR Name?“. Ziehe nun meinen Block heraus und zücke den Stift: „Und jetzt will ich erstmal IHREN Ausweis sehen!“

Übergeht mich völlig, seine Platte hat ’nen Sprung: „Ihre Adresse bitte!“ Spätestens jetzt war auch er sauer, da bin ich mir sicher. Davor war er vermutlich einfach nur unzufrieden. Vielleicht ist seine Frau eine Online-Shop-Betreiberin und solche Typen wie mich kann er eh nicht leiden. Und in der Tat, ich bin längst nicht mehr zu stoppen: „Sind Sie überhaupt der Schaffner?“

„Jetzt reicht’s, kommen Sie mit, nächste Station geht’s raus“. Tja, so war’s dann auch, Trenchcoat in der Hand, zufällig steckte der Zugführer den Kopf raus und ich fragte ihn, wie denn sein Kollege heiße. Kennt er natürlich nicht, war mir schon klar.

Tja, so bin ich jetzt auch mal in Rheinfelden gewesen. Was soll ich sagen: Lieber da als Missbrauch zu dulden. Und für euch deshalb nur schnell die Nachricht: Der Online-Shop ist nun auf Vordermann, d. h. in 2017 angekommen! …auch wenn ich persönlich damit offensichtlich zu Kämpfen habe  🙂

Eure Plancha-wenn-schon-nicht-Smartphone-Queen,

Mona Leone

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