Heute geht’s um Zeit & Raum; um den Olivenbaum, der unter einem Trauma leidet, wenn ich ihn mir vors Haus pflanze, wo derweil die Bäume stinken; die Würste von der Decke hängen statt sich auf der Plancha zu räkeln, und es geht darum, wie sich das Deutsche dann doch ganz friedlich ausbreitet.

Wieder ist ein Montag vorbei; Montag, mein Blog-Tag. Das merke ich leider immer erst am Dienstag und endlich schnalle ich wieso: Ich bin in Sizilien, im Land vom domani – immer ist alles morgen. Genau deshalb müsst ihr heute mit mir etwas Geduld haben, am Ende fügt sich das zusammen, aber ganz typisch muss ich jetzt erstmal ausschweifen,…

…nach Rechts: In der Übersetzungswelt dreht es sich ständig um Zeit und Raum: Warum hat jemand etwas zu einem bestimmten Zeitpunkt geschrieben und wie bringe ich das ins Heute und Jetzt, sodass es Sinn ergibt. Und genau da liegt derzeit die Crux, denn es ergibt alles irgendwie keinen Sinn für mich. Oder ich für die anderen.

…nach Links: Vision und Realität. Zuerst muss man eine Vision haben und die Bedingungen sowie Geldbeutel bestimmen dann, wie nahe die Realität an die Vision kommt, wer kennt das nicht.

Alles fing damit an, dass ich mir eine Außenküche bauen wollte. Nicht dass ich dachte, es würde sowas schickes werden wie bei Elmar, meinem Kunden, ich verbeuge mich vor Bewunderung, aber so ähnlich wäre doch nicht schlecht.

Vision-Realität

Normale Härte, etwas Arbeitsfläche featuring eine Plancha, nah genug etwas Wasser und klar, Strom, nie falsch. So eine Außenküche braucht natürlich Platz, der bei uns im guten Deutschland eine Frage des Geldes ist. Ich weiß nicht, ob ich erwähnte, dass ich Mathe mal gut war, auf jeden Fall fand ich es immer faszinierend, dass man Platzhalter austauschen kann. „Zeit & Geld“, wird so zu „Zeit & Raum“, denn im Ausland bekommt man Platz eigentlich ziemlich billig also warum teuer, wenn’s auch günstiger geht. Besagten Platz also gekauft, erste Herausforderung Wasser. Da braucht man einen Zementtank, 10 000 Liter müssen’s schon sein. Das Wasser wird per Laster domani angeliefert, d. h. der Laster muss da auch ran kommen, also direkt an die Einfahrt platziert, ich pflanze ein paar Büsche drumrum, dann sieht man’s nicht mehr. Also zum Gärtner, und stelle mir dabei sowas vor wie bei Kupka, der jetzt auch Planchas in die Gartenküchen einbaut:

Vision – Realität

Gärtner kommt domani, begutachtet, „der, der und der Baum muss weg und die da auch“, zeigt Michelangelo auf alles, was mich da so schön umgibt, denn die Stinken, genau gesagt nach Pisse. Plancha-Grillen wenn’s nach Pisse stinkt, na das will ich auch nicht, also Bäume ab und seither stehe ich schier nackt da. Schier sage ich, denn echt geht nicht, denn quer drüber lebt eine Vespenfamilie. Oder zwei, auf jeden Fall sind’s viele und Spezialist Giovanni räuchert domani nicht aus, wie wir das so in der BBQ-Welt nahe liegend würden, nein, es wird einzementiert, Sizilien eben.

Und wenn Michelangelo schon da ist, ob er da nicht auf meinen Steingarten, meine SPA-Oase werfen könnte? (Was wiederum nur damit begann, dass ich wie die Jungfrau zum Kind in München zu so einem finnischen Hot Tub kam.) Dass ich mir den Hot Tub nicht mitten ins Olivenbaumfeld stellen kann, war mir selbst klar, also Giuseppe angerufen, der Zementtyp, der mal 15 Jahre in Deutschland lebte und als einziger meinen Senseo-Kaffee zu schätzen weiß, schön lang und deutsch. Die Zementplatte will ich harmonisch, sag ich ihm, keine geraden Linien, die machen krank, etwas Schwung soll drin sein. Er nickt verständig und denkt sich vermutlich „…machen krank? Ist die doch längst…“ und weiß plötzlich wieder, warum er zurück in die Heimat ging. Michelangelos 10jähriger Sohn hat derweil die Abhilfe, „ein Thymianbeet bekämpft Krebszellen“, der Junge versteht einfach, was ich mit SPA-Oase meine, die Hoffnung Siziliens steht da vor mir. Meine Oase muss natürlich ein Bewässerungssystem haben, mit meinem Zementtank in der Einfahrt doch kein Problem. „Da muss dann aber schon Wasser drin sein“, sagt Michelangelo;  ja sag mal, denkt der ich bin blöd?

Auf jeden Fall muss in die Steine eine Treppe gebaut werden, Domenico macht das wohl richtig gut, kommt domani, schaut sich die Realität durch die Sonnenbrille an und kommentiert: „Das hier braucht aber schon noch viel Arbeit“, weiß ich, aber jetzt fangen wir doch erstmal an – HEUTE! Neinein, er hat viel zu tun, domani überlegt er sich… wann er das machen kann! Seufzend zeige ich ihm den gefällten Vorgarten, der auch eine Mauer braucht, denn da soll der 150-Jahre-alte Olivenbaum hin, den ich bei Michelangelo angezahlt habe, ein Prachtstück.

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Ob Michelangelo sagte, dass man den Baum dahin pflanzen könne?, fragt Domenico geboren in Ludwigsburg kritisch. Äh, nö, so direkt nicht, meine Vision oder Realität, das vermischt sich so, ich weiß es nicht. Ich glaube nicht, nimmt mir der Mauerbauer die Entscheidung ab, denn das wäre ein Trauma für den Baum. In einen Acker, ja, da kann er sich schön ausbreiten und entspannen, aber in so einen steinigen Vorgarten, nein, bestimmt nicht, das traumatisiert. Hä? Und wer denkt an mich, was mich hier so alles traumatisiert? Die salsiccias werden nämlich zum Trocknen aufgehängt, statt sich wie geplant auf der Plancha zu sonnen, so viele domanis sind schon ins Land gezogen!

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Derweil kommt der Hot Tub geliefert, und alles fragt, was ich mit dem Weinfass will. Enthusiastisch erkläre ich, wie sich das Wasser per Kohle erhitzt und wie schön das sei, wenn man bei Minus 20 Grad da rein säße, Glas Champagner, raus und mit Schnee einreiben, wieder rein. An der Stelle wiederholt sich die Szene dann: Einer räuspert sich und sagt „aber wir bekommen hier keine Minus 20 Grad“ und ein anderer „…und keinen Schnee“. Weiß ich doch, aber hey, Champagner in einer lauen Nacht, ist doch auch nicht schlecht und die Kohle kommt dann halt in den Grill. Warum dann ein Badefass aus Finnland? Mensch, das weiß ich doch nicht, das ergab sich halt so. Und einer sagt dann immer (wie zum Trost): „Ich weiß jetzt, was das ist, das ist tipo sauna“. Hmmm ja, so ungefähr, nur ohne Wasser und halt offen.

Was ich euch mit dem heutigen Blog sagen will? Zum einen, dass das Problem nicht der Unterschied zwischen Vision und Realität ist, sondern von Raum und Zeit, davon bin ich überzeugt. Alle Zutaten sind da, nur kommen sie nicht unbedingt zu einem bestimmten Moment an einem Platz zusammen. Da darf man dann nicht verzagen, sondern Improvisation ist gefragt, die Vision vor Augen, und was am Schluss auf dem Teller liegt, ist dann halt die Realität, schnallt eh niemand.  Zum anderen, dass es bestimmt bald wieder was aus der Plancha.Welt zu berichten gibt, nur eben nicht heute, sondern domani

Eure,
Mona Leone, Plancha-Botschafterin

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