Dass Mengenangaben nicht so mein Ding sind, ist längst kein Geheimnis mehr,  Jetzt ist auch das mit der Hitze geklärt, bleibt die Frage, was ich noch so selbstverständlich finde. Reife Früchte, springt mir sofort in den Kopf, und deswegen knöpfe ich die mir heute vor.

Vor ein paar Jahren wollte ich Chef-Uniformen recyclen. Zu meiner Schande nicht der Umwelt zuliebe, sondern um Platz im heimischen Schrank zu schaffen, in dem 2 m (doppelreihig!) die Chef-Uniformen Platzhirsch spielen und sich jedes Blüslein enger machen muss (was natürlich der Grund dafür ist, dass mir nix mehr passt!). Also Termin mit der Glasgow School of Art, Modedesign gemacht, aufgetrennte Jacke mitgeschleppt, und die Idee diskutiert: Coole Mode für Teenager, die dann vor lauter Begeisterung Koch werden wollen (42% der Kochjobs sind schwer zu besetzen) LINK CAA. Die Mode sollte nicht für dürre Mädels sein, sondern für „normale“. Sagte der Professor bekleidet in was für mich wie eine Mönchskutte aussah: „Das sagen alle Frauen, die nicht mehr schlank sind“.

Danke.

Wenn ich jetzt also sage: „Leut‘, nehmt reife Früchte“, drängt sich sofort die Sorge auf, jemand pariert wieder mit „das sagen alle, die nicht mehr knackig sind“, und ich höre förmlich, wie ich mich sofort verteidige: Neeeeneeee, das hat nichts mit dem Alter zu tun: Reife Früchte sind einfach besser!

Auf die Gefahr hin, dass das Loch jetzt immer größer wird, das ich mir schaufle, fahre ich fort mit der Argumentation, die ja logisch ist. (Genauso logisch übrigens wie die, mit meinem Projekt keine dürren Mädels in Kochjobs locken zu wollen. Hier geht’s nicht um Verallgemeinerungen, sondern um Fakten: Wer gerne isst / kocht, macht das andere umgekehrt eben meist auch gerne, und das ist nun mal meist sichtbar.)

Zurück zum Birnen-/Tomatenentstehen. Am Anfang sind sie grün, hart, sauer. Mit der Zeit sind sie genug gewachsen, werden breiter, und sie nehmen ihre eigentliche Farbe an. Wäre ich jetzt Biologe oder hätte eine bessere Ahnung von Obst & Gemüse, könnte ich euch wahrscheinlich beweisen, wie wenig sich die grünen Versionen in ihrer DNA (oder was auch immer für ein Kürzel für die Reife zuständig ist) voneinander unterscheiden und ich finde, ganz ehrlich, ein Embryo und eine Krabbe sind sich anfangs doch auch sehr gleich. Erst mit der Zeit zündet das eine dann die Plancha, während das andere drauf kommt, und darauf will ich hinaus: Anfangs könnte alles alles sein, und erst später wird aus mir nun mal keine Gazelle mehr.

Warum sollte ich mir also etwas auf die Plancha knallen, das im Prinzip alles sein könnte. Ja, stimmt schon, ich agiere nach dem Austauschprinzip: Kein Zucker, nimm Honig; keine Eier, nimm was anderes klebriges, usw. und natürlich kommt am Schluss dann was anderes bei raus, ist doch klar. Aber irgendwie sollte das andere ebenfalls schmecken und darum geht’s. Hier deshalb nochmal Schritt für Schritt: Wenn also im Rezept die Rede von Auberginen ist, die ihr nicht habt, dann nehmt halt ein anderes Gemüse. Hier meinte ich explizite Auberginen, die nach Auberginen schmecken, die man austauscht gegen Paprikas, die nach Paprika schmecken. Die Rede ist jedoch nie von Auberginen, die geschmacklich auch Paprikas sein könnten, weil sie noch unreif sind!

Und weil ich hier wie ihr ja merkt streng akademisch argumentiere noch die rhetorische Frage: Wie soll denn auch etwas schmecken, das nach allem bzw. nichts schmeckt. Da nutzt kein kochen, grillen, und selbstverständlich auch keine Plancha: Wenn die Tomate nach nichts schmeckt, was sie im unreifen Zustand eben nicht tut, dann wird das Essen natürlich auch nach nichts schmecken bzw. schmeckt eben nicht. no rocket science oder auf Deutsch: Dafür brauche ich kein Einstein sein.

Doch wer jetzt noch zweifelt: Mach doch einfach den Salz-Test. Nimm ein grünes Ding, dann das in ausgewachsener Form, mach Salz drauf und schau was passiert. SALZ ZIEHT. Flüssigkeit. Da sieht man bald, dass es zwar der grünen Birne eine Pfütze entlockt, aber bei der reifen, siehe da, da kann man schon fast drin angeln. So, jetzt noch probieren, und genau, Salz ist Geschmacksverstärker, beim Grünen ist’s neutral und beim Reifen schmeckt man das Objekt.

pastaplancha

Rezept gibt’s morgen, denn mir fiel eben auf, dass ich das glaube ich noch nicht gepostet habe und dabei gibt’s dazu voll schöne Bilder.

Zurück zum Thema bzw. zu den kulturellen Unterschieden bzw. der nationale Geschmack dann eine Rolle: Beim Franzosen soll alles spitz auf dem Teller stehen und ja nicht einknicken, da ist Salz und Reife Feind, doch der Deutsche, der mag’s gerne soßig, was das Leben ungemein erleichtert. Ich erspare euch an dieser Stelle einen abstrusen Vergleich, der sich bestimmt in der Geschichte oder Geologie der Länder finden lässt. Was ich euch nicht erspare ist ein Ausflug in die Übersetzerwelt: „Zielaudienz berücksichtigen“ – es muss so übersetzt werden, dass es für den Leser in der neuen Sprache Sinn ergibt, sonst ist der Sinn des Unterfangens schlichtweg verfehlt. D. h. wenn ich für Deutsche koche, dann sollte es schon so sein, dass es den Deutschen der Wahrscheinlichkeit nach schmeckt und da sind mir die Franzosen im Moment egal: Trockenes ist einfach nicht so unser Ding. Da ich gerade deutsch schreibe und davon auszugehen ist, dass es deswegen Deutsche bzw. stark deutsch angehauchte lesen, kann der Tipp der Woche folglich nur heißen: Knöpft euch die reifen Früchtchen vor, egal ob bei Obst oder Gemüse.

Und wer jetzt noch unentschieden ist: Die sind auch billiger. Schottenrock tragen reicht nicht aus, schottisches Denken ist jetzt dran, und hier die Anspielung auf den Ring der Schwestern, superlustig, https://www.facebook.com/plugins/video.php?href=https%3A%2F%2Fwww.facebook.com%2Fchristoph.oberleiter%2Fvideos%2F1609018075798145%2F&show_text=0&width=225“ target=“_blank“ rel=“noopener“>schaut’s euch an. Also kurz vor Marktende hin und absahnen. Auch Supermärkte hauen zu bestimmten Zeiten Wundertüten mit Allerlei raus: 4 kg für 1,30 Euro o. ä. Das hat nichts damit zu tun, dass man sich was anderes nicht leisten kann, sondern damit, dass da genau das drin steckt, was besser schmeckt. Der günstige Preis ist ein Nebeneffekt, so ist das zu sehen, und so schließt sich das Thema hoffentlich mit einem Ausschlag gebenden Argument.

Eure,
Mona Leone, Plancha-Botschafterin

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