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„Da ist die Beschichtung zerkratzt“, sagt der Kunde und ich gerate ins Grübeln. Welche Beschichtung? 6mm-Stahl-Plancha, da ist doch nichts, die kriegt man doch nicht kaputt! Oder redet der Kunde doch vom emaillierten Gusseisen und weiß es nur nicht? „Na, das Schwarze“, sagt er, aber das Emaille ist auch schwarz. Also bis ich schnallte, dass der Kunde den Kohlenstoff meint, ging’s beim ersten Mal noch eine Weile, aber dafür bin ich jetzt in Sprintposition, direkt auch schon in der Beratung: „…denn das ist keine Teflon-Beschichtung, wo das Gerät dann kaputt ist, wenn die zerkratzt, nein!, da wurde lediglich am Schluss bei der Stahlverarbeitung mit Kohlenstoff ausgewälzt, also das Puder drauf und einmal mit der Walze drüber gerollt, fertig, damit’s hübsch aussieht.“

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Der gute Kohlenstoff. Er hat überhaupt keine technische Bewandtnis oder Funktion, außer tatsächlich der, den Stahl hübscher aussehen zu lassen, bis Er (Stahl = silbern) eingebrannt ist (Patina = schwärzlich). Der Übergang ist hässlich, stört den privaten Nutzer, der sich ja an der Ästhetik seines neu erworbenen guten Stücks erfreuen will. Also lieber irgendwie vor-schwärzen. Und warum dann nicht mit Kohlenstoff, der an sich unserem aktuellen Designbewusstsein voll entspricht: matt, durch und durch schwarz, perfekt.

Kohlenstoff ist ja organisch. Abgesehen davon, dass er zum Schwärzen der Pizza in den Teig eingearbeitet werden kann, wirkt er lediglich etwas bindend. Auf Deutsch: Rezeptfrei in größerer Dosis in Tablettenform gegen Durchfall, und auch Giftstoffe bindend, sollte z. B. ein Kind unglücklicherweise Medikamente, Schwermetalle oder giftige Nahrungsmittel eingenommen haben. Da ist von medizinischem Kohlenstoff die Rede, aber reiner Kohlenstoff ist immer reiner Kohlenstoff, d. h. der Plancha-Hersteller hat nicht etwa den Metallofen mit Holz beheizt und rollt jetzt mit der Asche einmal über den Stahlbräter.

Kohlenstoff ist voll interessant, kleiner Ausflug ins Übersetzen. Ich beschäftige mich ja mit Übersetzungskunst, also mit der Darstellung des Konzepts, was Übersetzen ist. Wenn Kohlenstoff gepresst wird und unter Einwirkung von Zeit, wird er zum Diamanten, dessen chemische Formel die absolut gleiche ist, wie das, was sonst in den Grill kommt. Fred Kassner hat diesen Ring für mich angefertigt, bzw. für meine Ausstellung „Die Kunst des Übersetzens“, kann übrigens gebucht werden.

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Kohlenstoff auf der einen Seite, der Diamant auf der anderen. Beides dasselbe, „le même“, wie das französische Wort für das Gleiche, das sich sogar in sich selbst wiederholt: Zwei Buchstaben, die gleich sind, nur eben anders, genauso wie der Kohlenstoff, einmal schwarz und dann als Diamant, oder Übersetzung: Die eine Sprache auf der einen Seite und die andere auf der anderen.

Wie gesagt, organisch, und wenn wir schon beim Thema sind: Wenn wir uns verbrennen lassen, kommt am Schluss nichts anderes bei raus und wer will, kann sich von seinen Lieben daraus einen Diamanten pressen lassen und um den Hals hängen. Schon krass. Hier einfach mal einen Link, ließe sich bestimmt auch aus was anderem machen, wenn ihr kein Familienmitglied opfern wollt.

Aber wen oder was wir jetzt dazu nehmen könnten, soweit sind wir ja nicht; wir sind jetzt einfach nur bei dem bisschen Kohlenstoff, der auf den Stahl aufgetragen wurde, damit er schwarz ist, wer oder was für die Gewinnung des vom Hersteller auch nur gekauften Produkts herhalten musste, ist völlig schnurz.

Wobei der Hersteller behauptet, dass der Kohlenstoff gegen Rost schütze. Also ich weiß ja nicht. So wie Nylonstrümpfe bei minus 20 Grad vielleicht, aber doch nicht wirklich. Können wir also drehen wie wir wollen: Carbon (C) kam wirklich nur zum Schönaussehen drauf. Noch nicht mal so wie Mehl auf der Arbeitsplatte unter den Teig, damit er nicht anklebt, sondern wirklich unnütz oben drauf. Unnütz wenn man die Ästhetik außen vorlässt, wie gesagt.

Folglich keine Panik, wenn beim Auspacken irgendwo ein Kratzer-le ist, oder später beim Schaben, starkem Ablöschen o. ä. etwas Schwarz runter kommt bzw. das silberne Stahl plötzlich stellenweise vor lugt: Ist nicht schlimm, echt nicht! Einfach weiter benutzen, einbrennen, mit günstigem Pflanzenöl anfangs wirklich nicht sparsam umgehen und flugs wird’s wieder dunkle. Nicht schwarz, wie „Kohlenstoff“ oder „Verbrannt“, sondern einen Ticken ins Braune, je nach Lichteinfall.

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Und einfach vollständigkeitshalber: Wer vom Kohlenstoff etwas verspeist, braucht nicht etwa zur Apotheke rennen und eine Kohletablette kaufen, um gegen eine Vergiftung zu wirken. Logisch nicht, denn das hat derjenige ja bereits getan.

Auf die Sache mit den Krebserregern bei Verbranntem gehe ich jetzt nicht ein, nur insofern, als dass neben Kohlenstoff bei verbrannten Nahrungsmitteln unzählige sehr gesundheitsschädliche und krebserregende chemische Stoffe entstehen. Aber mal ehrlich: Wer Essen kauft, um es anschließend zu verbrennen, der steht vermutlich auf derselben Stufe wie derjenige, der sich ein paar mit Kohlenstoff ausgewälzten Planchas nur deshalb kauft, um den Kohlenstoff runter zu schaben und löffelweise zu verspeisen – also solchen Menschen ist meiner Meinung nach eh nicht zu helfen 🙂

Mona Leone, Plancha-Botschafterin
PS: Zum Nachlesen wie immer auf meiner Seite Plancha-Grillen

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