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Die Zeit der Angrill-Veranstaltungen, Frühlingsfeste usw. ist vorbei, endlich Luft holen und schreiben, was mir seit Wochen auf der Seele brennt: Der verlängerte Gedankengang aus dem letztjährigen Blog-Beitrag „Schüchtern, Shuffler oder einfach nur doof?“, denn natürlich hat mich dieses Jahr wieder dasselbe aufgeregt, wie letztes.

Ich mache ja immer dasselbe: Ich beobachte eine Situation, dann fallen mir Sachen auf, ich analysiere und versuche zu verstehen, hole mir Bestätigung (und die bekam ich in Form von vielen Rückmeldungen auf den Blog-Beitrag, vielen Dank nochmal euch allen!), und dann ergeben sich Situationen, aus denen sich mir die Lösung für die Situation erschließt. Abgesehen davon, dass ich so manchmal auch mein Geld verdiene, hier jetzt völlig kostenfrei für alle meine Händler, und solche die’s noch werden wollen 😊 …und natürlich alle anderen Leser.

Letzten Herbst waren ein paar Mädels bei mir in Sizilien. Aus der Schweiz, Irland, Deutschland, Italien – Europa.

Fellini

Abgesehen von viel Unfug und was Frauen sonst noch so tun, wenn sie auf einem Haufen sind, waren wir beim „Festa del Pistacchio“; einem Pistazienfest.

Sizilien, Wiege der Pistazie, klar, warum dann also nicht auch ein Fest dazu machen, 21. – 23. September dieses Jahr, wer zufällig in der Nähe von Raffadali ist.  Nicht dass das Dorf mortz besonders sei, nein, das Dorf nicht, aber seine Pistazien. Besonders auch gute Geschäftsleute, die sehr gute pasticcini machen, also Süßes, und dafür ist Raffadali im Kreis bekannt, weltweit dann eher für seine Pistazien. Ob das Fest jetzt auf den Metzger zurückzuführen ist, der auch wachsen will oder vor seiner Heirat mit Mariangela Pasticciere war, fänd ich witzig, aber das Fest ist jedenfalls eine Kooperation aus Dorf und der dortigen Pistaziengesellschaft…was es nicht alles gibt…

Im Clip wird viel geredet, aber ein bisschen Essen sieht man auch, sonst googelt einfach mal, aber tatsächlich lief das ab wie folgt: Man parkt irgendwo (nachdem man min. 10 Mal nach dem Weg gefragt hat), kommt dann zur Piazza, da stehen kleine Buden, wo Leute Schlange stehen. Also steht man mit, um dann völlig überfordert entscheiden zu müssen, ob man 1, 2 oder gar 3 Verzehrbons will oder gar ein Getränk. Aber was Essen? Das weiß man da noch nicht und da man dort ja auch nichts von Beschilderung hält, geht’s auf die Jagd. Wie toll! Vorbei läuft man an Cannoli-Ständen (Ricotta mit Pistazienfüllung), Wurstbude (die in der Wurst Pistazien hat), Eisständen (ähm mit welchem Geschmack?) usw. Und dann überlegt man eben: Was möchte ich gerne probieren. Und gibt dann seinen Blanko-Bon ab für eine Portion eben. Saubere Sache: Die Standbetreiber hantieren kein Geld, Einheitspreise; alles ganz einfach, wenn man’s dann kapiert hat. Sicher, wir sehen natürlich sofort das Verbesserungspotenzial: Drängeleien, zu wenig Erklärungen, keine Ständekarte, aber vielleicht halten ja noch ein paar unseres Kulturkreises Einzug und es verbessert sich.

Was ich damit sagen will: Wie cool ist das!?! Was sich da völlig harmlos abspielt ist hoch-sozial. Eine Attraktion ist geboten; das Dorf vermarktet sich; Kundenbeziehungen entstehen; das Volk feiert; wer Geld hat, kann’s ausgeben, und wer nicht – und das ist der springende Punkt! – wird NICHT AUSGESCHLOSSEN. Integrität hier das Schlagwort. Fiel mir nicht mal auf, sondern der Irin, soziale Goldherzen, bei denen man sich für seinen Egoismus ständig schämt, love you Ev!

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Auf unseren Kontext bezogen, also die Grill-Welt: Wir wollen auch anziehen; Händler wollen sich vermarkten; Kundenbeziehungen sollen entstehen; man will Neues zeigen; und wie wir das so machen zum Saisonauftakt: Ein Fest bieten.

Aber wer zahlt das? Darum geht’s doch. Der Händler hat schon die Organisation am Hals. Die Lieferanten kommen, um Ihre Neuheiten anzupreisen. Gegessen und getrunken soll auch werden. Ok, Getränke werden jetzt meist verkauft, aber das Essen wird komischerweise immer noch kostenfrei erwartet.

Bzw. mancher hat’s ja gelöst. Zu seinen Gunsten:

Nehmen wir die Messen, wo der Kunde ja Eintritt bezahlt hat. Sieht er irgendwie ja ein. Der Messeveranstalter kommt fein raus, aber leider auf Kosten der Aussteller, denn der Besucher hat sagen wir mal 8 Euro bezahlt, ja, dann will er doch für mindestens 8 Euro essen, damit sich das ganze rentiert!!! Oder ist das etwa nicht so?

Konkretes Beispiel Santos. Da zahlen die Kunden sozusagen einen Dinnerpreis, haben also Eintritt bezahlt, und werden dann verköstigt. Da ich kein Hoflieferant bin, weiß ich nicht, ob die Griller davon etwas haben. Nachfragen kann ich nicht, kommt man ja nicht durch. Und bestehende Lieferanten zu fragen ist unter meinem Niveau bzw. juckt mich auch nicht, denn die Veranstaltung operiert noch immer nach dem Ausschließungsprinzip: Zahl oder Du darfst hier nicht rein. Cool macht’s BOS Food, denn da ist’s für einen guten Zweck  – da macht man wiederum gerne mit.

Aber ich verstehe den Ansatz schon: Wer nicht mal den Eintritt zahlen kann, wie will der sich dann so ein teures Gerät leisten, wie ich’s ihm verkaufen will. Stimmt schon. Aber stößt mir gegen meine Moral. Ist doch irgendwie fies. Zumal das noch lange nicht heißt, dass ich’s mir morgen nicht leisten kann. Ist es nicht auch Aufgabe der Gesellschaft, Anreize zu bieten für die, die sich verbessern wollen?

Hmmm, ich schweife ab, aber ihr wisst schon, worauf ich hinaus will: Warum können nächstes Jahr nicht einfach zur Saisoneröffnung Verzehrbons verkauft werden, oder von Händlern und Lieferanten an bestimmte Kontakte verschenkt werden. Oder einen bekommt jeder Gast geschenkt – weitere können käuflich erworben werden. Totaler Festcharakter, wenn die Gäste so durch die Reihen schlendern, sich aufgeregt darüber unterhalten, was sie nun probieren wollen, das ist doch viel spannender! Pflegt die Kommunikation: Darf ich bei dir probieren, ok wenn Du das nimmst, nehm ich das, voll schön!
(Nebeneffekt: Damit wäre gleichzeitig die Anzahl begrenzt, wie oft der Schuffler zugreifen kann.)

Was soll daran schlecht sein, wenn man kommuniziert: Hey, Du bist mein Kunde, ich hab dich lieb und dafür organisiere ich dir ein Fest. Da kannst Du dich umschauen, einen tollen Samstag verbringen, Neues sehen, ausprobieren, aber bitte verstehe: Essen kostet Geld, aber ICH ZWINGE DICH NICHT, GELD AUSZUGEBEN. Wenn Du willst, gerne, aber Du musst nicht, ich hab dich trotzdem lieb.

Ob und wie das Geld dann verteilt wird, kann man dann ja sehen bzw. mit der Erfahrung verfeinern, aber ich finde es ist Zeit, da irgendetws zu ändern.

Na, liebe Händler, Lust das fürs nächste Jahr nach italienischem Vorbild aufzuziehen? …nur eben viel besser? 🙂

Eure,

Mona Leone, Plancha-Botschafterin
PS: Zum Nachlesen wie immer auf meiner Seite Plancha-Grillen

#monaleone
#planchaqueen
#plancha