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Vielen Dank für eure Glückwünsche zu meinem italienischen Landwirte-Abschluss! Doch mag man sich fragen – durchaus berechtigt – was das nun wieder soll. Glaubt mir kein Mensch, dass ich eigentlich nur Planchas verkaufen wollte, macht euch auf was gefasst:

Um Planchas verkaufen zu können, müssen Kunden wissen, was sie da alles tolles, phantastisches!, außergewöhnliches!!, einzigartiges!!! drauf zubereiten können. Deswegen das Rezeptbuch; deswegen Videos und Ja: Deswegen auch Kurse. Die haben wir stets an diversen Standorten bei Simogas-Händlern durchgeführt und eben auch in Eigenregie, wozu ich öfter das Pfarrheim im idyllischen Ippingen anmietete. Kunden fuhren da echt gerne hin, ganz hübsches Dörflein. Jetzt ist das aber so eine Sache: Planchas sind schwer. Bis da alles angeschleppt und aufgebaut ist bzw. nach dem Kurs in umgekehrter Reihenfolge retour, irgendwas fehlt ständig – im Grunde sind da immer 2-3 Tage weg und man ist völlig im Eimer. 

Im Idealfall hätte man also eine überdachte Außenküche mit großzügigem Garten. Unter einer halben Millionen findet man da aber wie ihr wisst nichts, wo sich der Nachbar dann nicht wegen der Geruchsbelästigung bzw. Nähe trotzdem noch beschweren. Doch man kennt das ja von den Kindern: Sie wachsen, das Zuhause wird zu eng, bis man beschließt, sich zu vergrößern und dabei etwas zu kaufen, man endlich etwas passendes gefunden hat und der Um-/Bau dann abgeschlossen ist, sind sie eigentlich schon fast aus dem Haus und man braucht das Ding gar nicht mehr. Wer sagt also, dass Plancha noch spannend ist, bis wir soweit sind? Für eine halbe Millionen erwarte ich da aber schon so etwas wie eine Garantie.

Leider fand ich niemanden, der mir diese gab, und das Leben will da erfahrungsgemäß ja auch nicht Bürge stehen. 

Doch es geht immer auch anders, zwar nicht mit Garantie, aber dafür unter der halben Million. Dieses Andere ergab sich – wie so oft – rein zufällig auf unserer kulinarischen Erkundungstour in den Heimatort meines Vaters auf Sizilien. Da war ich lange nicht gewesen und so mit frischen Augen, geschulterem Gaumen und viel mehr Appetit, glich das auf Anhieb dem Paradies. 

Man geht da ja immer so kindlich ran: Neugierde. Wie das wohl wäre, hier ein Haus zu haben. Was hier wohl ein Haus kosten würde. Ach, da ist ein Makler, er kann uns doch bestimmt ein paar Sachen zeigen: Einfach so, muss man ja nicht gleich kaufen. 

Uni Zürich, war ich bei einer Lesung, ich war Mitte Zwanzig (also noch echt beeinflussbar): Sag was Du denkst und tu was Du sagst. Hat mich geschädigt fürs Leben und prompt auch dieses Mal, denn wie lässt es sich sonst erklären, dass ich gleich ein paar Monate später beim Notar saß? Klappe wieder mal nicht gehalten, war schon in der Schule so.

Schule mochte ich. Das war verständlich. Und logisch. Ansonsten verstehe ich nicht immer alles. Das bin ich von klein auf gewöhnt, denn wer mit Zweisprachigkeit aufwächst, lernt, mit einem gewissen Verlust beim Verstehen umzugehen. Man wartet einfach ab und hofft, dass sich der Sinn später dann schon ergibt. Man lernt auch Zeichen zu lesen, nennen wir es Intuition, prägt sich stark aus, man spürt irgendwie immer, was der andere will. Und so antwortete ich, als ich gefragt wurde, ob das dann wohl mein Wohnsitz sei, schön brav mit Ja. Das ‚Ja‘ hatte einfach in der Luft gelegen: Es war zu stark, als dass ich mich ihm hätte entziehen können, ich war einfach nur ein Opfer. Später verstand ich dann, wieso das Ja den anderen so wichtig war: Um keine Grunderwerbssteuer zu zahlen. Steuern – für jeden Italiener ein Unwort, dem man sich mit allen Kräften entziehen muss. Ich bin aber Deutsch: Steuern gehören dazu und sowieso, wenn das wie bei uns prozentual ist, wäre das vergleichsweise eine Schweinshaxe im Biergarten weniger gewesen. Hätte ich also bezahlt. Habe ich aber nicht – dank meiner italienischen Intuition.

Das schlug sich darauffolgend noch öfter die Schlacht: Mein deutsches Denken und mein italienisches Handeln. Ich muss gestehen, ich bin nicht mehr ganz Grün, und so hängt das kristalline Denken mittlerweile ständig nach. Über Logik brauchen wir gar nicht debattieren, denn die scheint auch völlig über Bord.

Denn nun hatte ich das Haus, genug Terrain für mehrere Außenküchen, und weil ich die Unternehmung ja ordentlich aufziehen mochte, wollte ich etwas anmelden, doch das Was war lediglich der Beginn der Odyssee. So richtig klar war mir nämlich nicht gewesen, dass mein paar Wände im denkmalgeschützten Gebiet stehen. Sicher, die kleine Festung, das castelluccio, steht recht nah (einer der Gründe, warum es uns hier ja so gut gefiel), aber zum Nachdenken hatte mich das nicht weiter angeregt. Ich bin auch sicher, dass das niemand bis hin zum Notar je erwähnt hatte, aber lassen wir solche kleinlichen Details, die keine Auswirkung aufs Ergebnis haben: Ich kann hier nicht einfach etwas anmelden, zumal es hier keine Adresse und folglich keine Postzustellung gibt. Ohne Post geht noch, aber versuch mal ohne Pakete.

Bis auf die mangelnde Zustellung geht irgendwie ja immer alles und gründliche Recherche ergab: Eine Landwirtschaft lässt sich anmelden, was in Italien gleichzeitig die Möglichkeit des Agriturismo bietet, was wiederum Bewirtung bedeutet: Im kleinen Rahmen sogar ohne viel Auflagen. Wir können also kochen, grillen und Kurse abhalten, hört sich doch gut an! Dazu brauchte ich lediglich etwas mehr Terrain. Etwas gekauft, noch etwas dazu gemietet, alles kein Problem. So schwierig kann das bisschen Anbau ja gar nicht sein. 

Ich bin oben auf dem Berg. Hier gibt es kein Wasser. Das wird per Anruf und Laster bei Bedarf hoch kutschiert, was die Zisterne befüllt. So für den Hausgebrauch kein Aufwand, wobei man schnell lernt, ein paar befüllte Kanister zur Hand zur haben, denn das Wasser geht komischerweise immer dann aus, wenn besonders große Geschäfte zu erledigen sind. Folglich Anbau ohne Wasser. Das Internet ist ja wirklich sagenhaft, ich frage mich, wie man das früher hätte herausfinden sollen, und so griff ich das auf Reisen sozusagen aus der Luft: Trüffel und Safran, beides schick noch dazu. Das gefällt mir: Mona, bei der es Safran und Trüffel gibt. Diese Selbstzufriedenheit, widerlich! Dass mir da keine Glocken läuteten, dieser Gedanke hätte mich an die Olivenölerfahrung erinnern sollen! Wirklich.

Gleich im Kaufjahr konnten wir nämlich welche ernten. Ums Haus stehen ein paar Obstbäume und auch einige für Oliven. Als sie reif waren, eines nachmittags, schnappten wir die IKEA-Tüten und pflückten sie ab. Also ist ja eher wie den Mädels Haare kämmen: Mit einem groben Kamm durch die Zweiglein fahren und das Baumgeschrei dabei einfach ignorieren. Zwischendurch eine Tasse Tee, Sonnenuntergang, war das Leben herrlich und wir ganz an der Spitze. Unvergleichlich dieses Italien: Einen Nachmittag investiert und ausgesorgt, wenn schon nicht fürs Leben, dann doch mit Olivenöl fürs Jahr. Am nächsten Morgen wir beide stolz mit hoffentlich genug Kanistern im Twingo-Kofferraum beim Oleificio aufgekreuzt, von einem Ohr zum anderen stolz gegrinst, unsere erste Olivenpressung, Mensch waren wir stolz. Wo denn unsere Oliven seien. Türen auf, Tüten raus. Habt ihr auch ein Gefäß dabei? Ja klar, was denkt der, wir sind doch organisiert und zeigen ihm stolz die Kanister. Da fängt der blöde Hund zu lachen an und seine ganze Sippe mit. Sogar der dunkelhäutige Immigrant, Asylbewerber oder keine Ahnung wie der Stand, alle aus der Tiefe heraus gelacht, gar nicht mehr aufhören, wollten sie nicht. Da schlappt der eine Obermucki davon und kommt mit einer 2-Liter-Wasserflasche zu Dreiviertel mit Öl gefüllt zurück: Das sei der Gegenwert für unsere Schufterei! Abzocke, brülle ich, das kann doch nicht sein! Ein Telefonat mit der Tante später ist es amtlich: Wir haben echt keine Ahnung von gar nichts, das war soweit schon korrekt. Zwei Leute, einen ganzen Nachmittag lang, ja wieviel muss man da pflücken, bis man den Jahresvorrat hat? Viel mehr, weit viel mehr. Hätte ich mich da mal lieber vorab informiert.  

Aber man lernt ja, wobei mir das Erforschen von Trüffelanbau auf Italienisch bald zu müßig wurde: Die Italiener sind selbst schriftlich äußerst weitschweifig und kommen wirklich überhaupt nicht auf den Punkt. Noch dazu lese ich nicht sooo gut in meiner Vatersprache. Das geht auf Deutsch ganz anders und Ratzfatz hatte ich die Infos, Schnelltest zum Kalkgehalt mit begeisterndem Ergebnis durchgeführt, Anleitung zur Bodenprobeentnahme für den Labortest (in Deutschland – wenn schon, denn schon), alles idiotensicher zur Hand, und wurde dann nur noch eine Frage der Gelegenheit.

Und dann kam Phylis, ein Straßenhund. Ließ sich einfach bei mir nieder, war gar nicht mehr zu verscheuchen, obwohl ich weder fütterte noch mich anderweitig kümmerte; wohl bekannt meine Hundeaversion! Bis meine Kusine Mariangela bei ihrem Besuch sagte: „Verstehst Du nicht? Sie bleibt auch, wenn sie dabei verhungert, sie hat dich auserwählt.“ Ohhhh! Ein Herz aus Stein habe ich auch wieder nicht, und so kam es, dass ich klein beigab bzw. zumindest fütterte. Bis die Terrasse irgendwann blutig wurde. Mist, da hatte ich mir ja was eingebrockt, jetzt wurde der Hündin hinterher geputzt, nicht mehr den Töchtern. Eine Woche später ging dann das Gejaule los. Was bei mir Ein und Aus ging, das könnt ihr euch nicht vorstellen: Groß, klein, dick, dünn, weiß, schwarz und alles dazwischen, Madame hatte überhaupt keine Präferenz. Also ich schmunzelte und grinste da schon: Lass sie doch, soll auch ihr Späßchen haben, gönnerhaft eben. Bis sie nachts heulte, ich nicht mehr schlafen und sie morgens nicht mehr laufen konnte. So ein Terz machte ich mit DREI Töchtern nicht durch! Das war auf jeden Fall überhaupt kein Spaß mehr und da sie dann bereits „eine der Meinen“ war, wurde sie ins Haus geholt, beschützt mit Stein und Rute. 

Doch was will ich mit einem Hund? Das geht doch nicht bei der Reiserei! Ein Kindheitsfreund half mir damals ums Haus aus, der sich auch gut mit Phylis verstand. Mann, war ich froh, als er anbot, sie uns bei Abreise abzunehmen. Hätte meine Tochter, Tierarzthelferin bzw. das neumodische Äquivalent dazu, mir nur nicht verklickert, dass sie derweil bestimmt schwanger sei, also nicht sie, sondern der Hund. Oh nein, nicht das auch noch. Ich kann dem Guten doch kein trächtiges Tier mitgeben, das schaffe ich nicht. Termin zur Sterilisation ausgemacht, exorbitante 120 Euro bezahlt, was ich gar nicht so schlimm fand: Der Italiener jedoch schon. Er konnte nicht glauben, dass ich bereit war, so viel Geld für eine Dahergelaufene hinzublättern, und ich glaube, er wollte mir im Gegenzug eben einfach auch etwas Gutes tun. So begab er sich ungefragt auf Wassersuche, nicht mit Wünschelrute, sondern mit Erfahrungswissen, denn scheinbar hatte ihm das sein Vater schon als Kind beigebracht. Laut war das Geschrei, als mit nur einem Baggeraushub das klare Nass aus dem Gestein spross! „Du bist reich, Du bist reich!“, das ist nichts Schlechtes und so habe ich das nicht weiter hinterfragt.

So zogen die Monate ins Land, Antragsverfahren auch ohne Corona ein Albtraum, aber mit Agriturismo kann man weitere Toiletten anbauen apropos Wasser, also parallel schon mal diesen abführenden Teil in Angriff genommen. Bei uns auf dem Land gibt es ja kein Abwassersystem, da läuft das über eine Grube, Details absolut uninteressant, und so rief ich den Bagger, ein-zwei Hübe, und wieder spross das klare Nass: Dieses Mal Wasserfallgleich. War es ein Zufall, dass Mina zeitgleich verbissen und halbtot bei mir vor der Tür zusammenbrach? Gott, tat mir das Ding leid, so klein, im Rudel der Straßenhunde bekam sie sicher nichts ab. Und so ging der Spaß von vorne los: Füttern, bluten, Rudel im Garten, Rute in der Hand, Tierarzt Schnipp-Schnipp, während parallel dazu es wieder hieß: „Du bist reich, Du bist reich!“ und wieder hielt ich meinen Mund, wobei sich der Sinn auch später nicht erschloss, denn nun ist die Grube am anderen Ende des Felds, noch so ein Brunnen im vorderen Bereich, bald habe ich kein Feld mehr und mein Geld ist komplett verbuddelt, dafür Wasser gesichert, das ich an sich nicht brauche, und Leitungen gleich einer Großindustrie verlegt. Exorbitant ist nun doch ein Wort, dass mir in den Kopf schießt.

Und so waren’s plötzlich zwei: Phylis und Mina, beide an den entsetzlichen Rhythmus von Chris gewöhnt, und so muss ich morgens vor 6 raus, das hatte ich mit den Kindern nicht. Nicht mehr, sollte ich sagen, nachdem wir in Irland waren, wo die Schule um Halbzehn los ging. Aber das ist eine ganz andere Geschichte, wenn auch mindestens genauso lächerlich, zurück zur Landwirtschaft: Eruiert waren dann ja schon Trüffel und Safran, Pflanzzeit Herbst, und so war das Feld derweil leer. Störte mich nicht, aber die Landwirtschaftsleute (ehrlich gesagt ich weiß noch nicht, was das genau ist, wo ich jetzt angemeldet bin. Ich weiß nur, sie machen von Steuer bis Anträge alles: Das effizienteste Büro Siziliens, davon bin ich überzeugt.), also sie fragten mich im Frühjahr, was ich wo bepflanzt hatte, EU-Gelder, ein Antrag, ich wusste gar nicht, dass es sowas scheinbar gibt. Wasser hatte ich nun ja reichlich, also sagte ich Tomaten, einfach weil mir nichts Besseres einfiel, obwohl, Wasser brauchen die an sich nicht. 

Und so kam es, dass wir knapp 500 Tomatensträucher pflanzten, denn als Lügner dastehen will ich ja nicht. Praktisch, dachte ich, denn die sollten zudem reif sein, während meine Bude voll: Billige Arbeitskräfte, Kinder und Kindeskinder, vor allem die Anhängsel sind ja schließlich nicht nur zum Urlaubmachen hier. Aber weit gefehlt: Nur ein paar trugen Früchte, gerade genug für Tomatensalat-Galore, doch richtig zur Sache ging es erst, als plötzlich niemand mehr da. Doch zu einem reichte es davor noch: Das Enterrieren der 50 kg Safranzwiebeln. Hört sich nicht viel an? Tja, dachte ich auch, während die Männer die Furche gruben, ich setzte an sich nur ein. 

Am ersten Tag kam ich nicht mehr hoch zum Haus. Nach dem zweiten Tag kam ich zumindest ohne Hilfe rauf. Am dritten Tag konnte ich wieder laufen. Und da fiel’s mir wieder ein: Sport. So hatte ich mir die Feldarbeit ja bei der Planung schöngeredet. Und mir gratuliert, wie schlau ich doch sei, Geld zu verdienen, anstatt welches im Sportstudio auszugeben. Nicht dass ich das je hätte, aber theoretisch zumindest, Grund genug, sich wieder mal völlig erhaben zu fühlen.

Theorie jedoch ist eine linke Bazille. Auf die falle ich ständig rein. Ich war ja damals bei der Sizilianischen Safran-Kooperative gewesen, um mich zu informieren. Ich wollte damals das ganze Feld damit bepflanzen, doch Nino unterbrach mich direkt: Wie viele Arbeiter meine Azienda Agricola denn hätte. Na mich, ich und myself, eine starke Truppe, dachte ich. Er ging da mathematisch ran: Drei Jahre lang Safran pflanzen, roulierendes System, Input / Output, Zuhause dann mit Excel, hier eine Zahl gedreht, dort etwas aufgerundet, bis man den Gewinn hat, den man gerne hätte. War ganz einfach, das auf Enter drücken.

Sollte an sich verboten werden: Leichtfertiges Drücken von Tasten, ohne dass Warnungen los gehen. Irgendeine Sirene. Eine Ohrfeige meinetwegen – irgendwas! …das mich vor mir selbst beschützt. Denn während man da so Stunde um Stunde in der Hocke das Feld entlang kriecht, hat man ja wahre Erleuchtungen. Z. B. offenbarte es sich mir erstmals, dass ich nur eine Generation vom Tagelöhner auf dem Feld entfernt bin. Naja, nicht ganz, mein Vater entfloh dem Ganzen mit 16, ab nach Germania, wo er dann auch blieb. Warum er blieb, wusste ich längst, aber nun weiß ich auch, warum er nicht zurückging, denn er half als Kind meinem Opa bei der Arbeit aus. „Mein armer Opa war taubstumm, eine andere Arbeit gab es damals für ihn nicht“, denke ich, während ich mit fünf Sprachen, morgens um halbsechs, Tomaten abzupfe. Klassischer Fall von Überkompensation. Und warum überhaupt so früh? Zur Abwechslung nicht der Hunde wegen, sondern weil es temperaturmäßig anders nicht geht: Feldarbeit bei über 40 Grad schaffe ich noch nicht.

Doch zum Glück hat der Tag neuerdings so viel mehr Stunden. Anders ginge das auch nicht, denn ich habe ja ein Geschäft, stimmt, Planchas verkaufen, und irgendwann bis Morgengrauen der Kurs dann, denn Agriturismo gibt es nur mit Schein. Wissen das sich mir erst später eröffnete, als ich schon knietief im dem stand, was andere als Düngemittel bezeichnen. Dank Corona wenigstens ein Online-Kurs, aber italienisches Lesen, hatten wir ja schon, eine Tortur, doch nun auch fehlende Überschriften, keine Struktur, x-Mal dasselbe ohne jegliche Zusammenfassung, ach wie gerne würde ich das Lehrmaterial überarbeiten! Was soll ich sagen: Bestanden, ich bin jetzt italienischer Landwirt. Ob’s für Deutschland reicht, ist fraglich, wenn auch irrelevant. 

Belastet bin ich derweil mit dem Wissen; dem Erlernten, es gibt kein Zurück. Mikroorganismen, Biodiversität, lauter Dinge, für die ich nun keine deutschen Worte habe, da gelernt auf Italienisch. Gleich geht es mir mit der Übersetzungstheorie: Alles Englisch, kein einziges Wort auf Deutsch. „Ab wann hat man sich selbst eigentlich ausmutiert?“, frage ich mich und bestelle die Gläserauswahl für meinen Safran aus China. 

Denn nun muss ich den Safran ja irgendwie auch verkaufen. Beim Trüffel habe ich noch 7 Jahre Galgenfrist. Nie wieder Tomaten. Quinoa empfahl mir eine Flugbekanntschaft beim letzten Trip, denn ich habe ja noch angemietete Felder, keine Ahnung was da dieses Jahr drauf wuchs. Eins steht fest: Ich habe nun diesen, meinen sechsten, Abschluss, und Rausreden wird künftig schwer. Außerdem sollte ich mir Gedanken machen zum Bio-Anbau und wer kauft überhaupt Quinoa.

Ich kratze mir am Hinterkopf. Ich wollte ursprünglich doch nur besser Planchas verkaufen. Mit lauter Feldern, Hunden und Einmachen wird das zunehmend schwer, fürchte ich, und erwähnt habe ich noch nicht mal, dass die Italiener sich schon aufs neue Ausflugsziel ‚al Castelluccio‘ freuen. Jesses, was habe ich mir da nur eingebrockt, die essen doch immer so spät! Brunch gibt’s, sonntags, kennt hier zwar kein Mensch, aber mehr ist echt nicht drin.

Die Moral von dieser Geschicht‘? Erschließt sich mir (noch) nicht, aber wer immer noch nicht völlig davon überzeugt ist, dass ich komplett bescheuert bin, sollte sich den Film zur Plancha-WM anschauen. Nach der Schweiz gewinnt der Kurzfilm etwas an Schwung, also Durchhalten, wird witzig. Er entstammte eigentlich auch nur der totalen Überzeugung, alles auf dieser Welt, was ich irgendwie hinkriegen will, von der Pieke auf echt selbst machen zu müssen 🙂

Vielen Dank fürs Interesse!

Eure,

Mona Leone, Plancha-Botschafterin
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